Das Gräberfeld X – Begräbnisplatz der Tübinger Anantomie

Das Gräberfeld X, ein am Rande des Tübinger Stadtfriedhof gelegenes Feld, diente dem Anatomischen Institut der Universität Tübingen  als Begräbnisplatz. Es war ein Massengrab für Körper, die zuvor der medizinischen Forschung und Lehre als Anschauungsmaterial gedient hatten.
Zwischen 1933 und 1945 wurden hier über 1.000 sezierte Menschen bestattet, weit mehr als die Hälfte waren Opfer nationalsozialistischer Gewalt, darunter Widerstandskämpfer, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und behinderte Menschen. Sie wurden erschossen, enthauptet, gehängt, erschlagen, durch mangelnde Pflege oder quälende Arbeit vernichtet. Dann brachte man ihre Körper zu Forschungszwecken in die Anatomie nach Tübingen. Nach der Sektion wurden sie in einem namenlosen Grab auf dem Gräberfeld X beerdigt.

Nach 1945 geriet das Gräberfeld X zunächst in Vergessenheit. 1952 ließ die Stadt Tübingen drei steinerne Kreuze an der Stelle des Gräberfeldes errichten. 1963 kam eine steinerne Gedenktafel der Stadt hinzu. Im Jahre 1980 wurde die Gedenkstätte ohne nähere Erläuterungen erneuert und sechs Bronzetafeln mit den Namen der 577 Toten hinzugefügt.

Ende der 1980er Jahre kam an Licht, dass Präparate, die von Opfern des Nationalsozialismus gefertigt worden waren, immer noch in der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen in Verwendung waren. Ein Skandal.  Eine Internationale Kommission zur Aufklärung wurde eingerichtet. Zutage kam, dass auch an der Universität Tübingen sogenannte „rassenhygienische“ Forschungen betrieben wurden, in deren Rahmen Roma, Sinti und Juden „ausgemessen“ und – „wissenschaftlich“ abgesichert – zu minderwertigen „Rassen“ abgestempelt wurden.

1990 begrub die Universität alle verbliebenen Präparate von NS-Opfern auf dem Gräberfeld X  und vervollständigte die Grabstätte mit einer kupfernen Tafel. Eine Woche nach Anbringung wurde die Tafel beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert. Bis heute sind nicht wenige der hier Vergrabenen auf den Gedenktafeln mit falschem Namen genannt.

Das Gräberfeld X

Schönhagen, Benigna: Das Gräberfeld X. Eine Dokumentation über NS-Opfer auf dem Tübinger Stadtfriedhof, Tübingen, 1987

1 comment on “Das Gräberfeld X – Begräbnisplatz der Tübinger AnantomieAdd yours →

  1. ich habe 1963 in Tübingen studiert : ,Ausländerkurs mit Dr Bausinger es war eine schöne Zeit , ich war mit einem netten Schwaben, Dietmund , Student wie ich , befreundet , damals sprach man von der NZ Vergangenheit nicht.
    Meine Mutter hatte mich gewarnt : wenn du einen Deutschen heiratest ,enterbe ich dich !
    dass sowas auch in Tübingen, eine so schöne Stadt , passiert ist , ist mir so peinlich !!

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