Filmaufnahmen Gräberfeld X

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U.a. die Dichter Friedrich Hölderlin und Ludwig Uhland, ebenso der Altphilologe und Schriftsteller Walter Jens liegen auf dem Stadtfriedhof Tübingen. Die Stadt Tübingen schmückt sich gerne mit ihren prominenten Toten.

Am Rande des Friedhofs finde ich das Gräberfeld X. Die Überreste zahlreicher Anatomieleichen wurden hier schon seit 1849 bestattet. Während des 2. Weltkrieges war das Gräberfeld X eine Endstation des NS-Vernichtungsprogramms. 518 Menschen – ermordet, weil sie Juden, Kommunisten, Sinti, Roma, Homosexuelle, bekennende Christen, Zwangsarbeiter, „Lebensunwerte“ waren und von der Anatomie Tübingen für „Lehre und Forschung“ missbraucht – wurden hier verscharrt. Einer von ihnen mein Urgroßvater Viktor Kunz.
Sechs auf dem Rasen liegende Bronzetafeln, 1980 angebracht, nennen die Namen der Opfer, leider häufig mit fehlerhaften Formen bzw. Schreibweisen der Namen der Toten.
Den Namen Viktor Kunz kann ich nicht finden. Auf der Tafel lese ich Georg Goss. Das ist nicht der richtige Name meines Urgroßvaters. Mittlerweile weiß ich aus verschiedenen Dokumenten, dass die Nazis ihm – auf der Grundlage einer falschen Geburtsurkunde – diesen Namen zugeschrieben haben.
Das werde ich nicht hinnehmen. Sein Name auf der  Gedenktafel muss geändert werden.

 

1990 vervollständigte die Universität die Grabstätte der Anatomie-Missbrauchten mit einer kupfernen Tafel und begrub alle verbliebenen Präparate in dem Gräberfeld. Eine Woche nach Anbringung der Tafeln wurde das Gräberfeld X mit Hakenkreuzen geschändet.

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